Was in den Zellen dieser Gewebe geschieht
Die vier Sätze der Unionsliste nennen ein Gewebe und eine Funktion, mehr nicht. Wer wissen will, woran die Gutachter das festgemacht haben, landet bei einer überschaubaren Zahl biochemischer Vorgänge, die sich beschreiben lassen, ohne dass daraus ein Heilsversprechen wird.
Zinkfinger-Proteine im Zellkern der Basalschicht
Ein Teil der Eiweiße, die an der DNA andocken und dort das Ablesen einzelner Gene anstoßen, faltet sich um ein Zinkion. Nach der Form dieser Schleife heißt die Bauweise Zinkfinger. Fehlt das Ion, bleibt die Schleife offen und das Eiweiß findet seine Bindestelle nicht. In Geweben, deren Zellen sich oft teilen, wird diese Konstruktion besonders häufig gebraucht; die Basalschicht der Oberhaut ist dafür ein Beispiel.
Zink trägt zur Erhaltung normaler Haut bei.Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012
Retinol, Retinal und das Enzym dazwischen
Der Sehvorgang beginnt damit, dass ein Lichtquant die Form eines Moleküls verändert: 11-cis-Retinal streckt sich zu all-trans-Retinal. Damit Nachschub entsteht, muss Retinol aus dem Vitamin-A-Vorrat oxidiert werden. Die dafür zuständigen Retinoldehydrogenasen zählen zu den zinkabhängigen Enzymen, und auch das Transporteiweiß, das Vitamin A im Blut befördert, ist auf Zink angewiesen. Das erklärt, warum das Pigmentepithel der Netzhaut zu den zinkreichsten Geweben des Körpers zählt.
Zink trägt zur Erhaltung normaler Sehkraft bei.Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012
Warum der Darm in Tagen rechnet und die Haut in Wochen
Am Grund jeder Darmzotte liegt eine Krypte, in der sich Stammzellen teilen. Die Tochterzellen wandern die Zotte hinauf, reifen unterwegs zu Saumzellen und werden an der Spitze abgegeben — der ganze Durchlauf dauert drei bis fünf Tage. In der Haut nimmt derselbe Weg von der Basalschicht bis zur Abschilferung etwa vier Wochen in Anspruch. Beide Gewebe teilen dieselbe Bauweise aus dicht gepackten Epithelzellen, arbeiten aber in ganz verschiedenen Zeitmaßstäben.
Zink trägt zur Erhaltung normaler Schleimhäute bei.Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012
Was in der Haarmatrix an Eiweiß entsteht
Die Zellen der Haarmatrix produzieren große Mengen Keratin, ein schwefelreiches Struktureiweiß. Weil dafür ständig neue Aminosäureketten zusammengesetzt und anschließend quervernetzt werden, gehört der Follikel zu den Orten mit besonders regem Eiweißumsatz. Wie viel Zink dabei umgesetzt wird, lässt sich am fertigen Haar nur eingeschränkt ablesen: Haaranalysen bilden die Versorgung der zurückliegenden Monate ab und sind kein Momentwert.
Zink trägt zur Erhaltung normaler Haare bei.Gemäß Verordnung (EU) Nr. 432/2012
Wo die vier Sätze aufhören
In allen vier Fällen steht das Wort Erhaltung. Es beschreibt das Halten eines normalen Zustands, nicht dessen Steigerung. Und normal meint den üblichen Zustand eines gesunden Menschen, keinen Zielwert und kein Versprechen. Aussagen zu Beschwerden, zu einzelnen Krankheitsbildern oder zu einer erwartbaren Wirkung sind von den vier Einträgen nicht gedeckt und stehen deshalb auch nicht auf dieser Seite.